Viele Leute sind der Meinung, der Bergbau sei gewissermaßen eine Sache des Zufalls und eine schmutzige      Tätigkeit und überhaupt ein Geschäft, das nicht so sehr wissenschaftliches Forschen als körperliche Arbeit        erfordert. Ich habe dagegen den Eindruck, wenn ich mir die einzelnen Arbeitsgebiete vor Augen führe und            überdenke, dass es sich ganz anders verhält… 

                                                                  Georgin’s Accricola     De re metallica I. Buch

 

               Die  AG Sächsische Werke – ASW  1923 -1947

 

 

                                                                            Das Hauptgebäude der ASW in Dresden              

                       

                        

 

Der Zweck der ASW ist es […], die Versorgung der Bevölkerung mit Kohle und Elektrizität billig und in jedem Umfang durchzuführen. HSTAA Dresden Entw. d. ASW-2607

 

 

AG Sächsische Werke zu Dresden

       Dresden- A. 24, Bismarkckplatz  2/6

       Fernruf:  4433       Im Ort:  44281       Drahtanschrift: Elektrokohle 

Bankkonto: Sächsische Staatsbank Dresden ;  Postscheck: Dresden 111737

 

Braunkohlen-und Großkraftwerk Hirschfelde

             Hirschfelde, Kreis Zittau

      Ruf:  Hirschfelde 341; Zittau  3283

 

Braunkohlen-und Großkraftwerk  Böhlen

              Böhlen, Bezirk Leipzig

              Ruf:     Leipzig   34101

 

 

Braunkohlen-und Großkraftwerk  Espenhain

            Espenhain über Gaschwitz

        Ruf:    Leipzig  77631; Rötha  354

 

Hirschfelde/Böhlen/Espenhain

                              1923 - 1947                              

            

 

 

                                                                      Frontansicht des Ostkraftwerkes Hirschfelde

 

 

 

Die Geschichte der ASW lässt sich bis ins Jahr 1909  zurück verfolgen. In diesem Jahr beschlossen die  Verantwortlichen der Elektrizitätswerke Oberlausitz, Neusalza, den Bau der Kraftstation Hirschfelde, die nach 2-jähriger Bauzeit, am 13.April mit 1,6 MW in Betrieb genommen wurde. Begünstigt wurde dieses Vorhaben durch die Nähe der Neiße und des schon 1907 aufgeschlossenen Tagebau Herkules. Außerdem war hier schon seit 1908 die Brikettfabrik Hirschfelde in Betrieb.

 

 

Auf Grund der technischen Möglichkeiten war zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Bereitstellung und Nutzung von Elektrizität  nur in Nähe der Kraftstationen – Kraftwerke möglich. Die mit der Industrialisierung und dem damit verbundenem Fortschritt einhergehende Forderung der Betriebe und Städte erforderte neue Wege der Bereitstellung und dem Transport der  „Electricität".

Auch aus diesem, naheliegendem Grund gründeten im Jahre 1912 50 Gemeinden in Sachsen, die Besitzer kommunaler, öffentlicher Elektrizitätswerke, den Verband der im Gemeindebesitz befindlichen Elektrizitätswerke - Elektroverband. Ziel war, zwei Großkraftwerke zu bauen und zu betreiben. Das Westkraftwerk in der Nähe Leipzig und das Ostkraftwerk in der Oberlausitz. Die Standorte waren nahe, der bereits bekannten Braunkohlenfelder geplant.

Die unterschiedlichen Interessen von Land, Städten und Gemeinden waren dem Fortschritt in der Energieversorgung aber nicht dienlich, eher hemmten sie die weitere Entwicklung. Daraufhin intervenierten 1915 die Gemeinden bei der sächsischen Regierung. Wenig später erklärte der sächsische Staat die Elektrizitätsversorgung zur Staatsaufgabe. Er sah hier die Möglichkeit ein privates Strommonopol zu verhindern und eigene Pläne zu verwirklichen. Es kam zur Bildung der Direktion der Staatlichen Elektrizitätswerke – ELDIR.  Der Besitz von großen  Kohlefeldern bei Leipzig und in der Oberlausitz  schaffte eine geradezu ideale Ausgangslage.

Die  Direktion der Staatlichen Elektrizitätswerke, ELDIR, übernahm die Stromnetze und die, in Privatbesitz befindliche Braunkohlengrube Herkules, 1917 das Werk Hirschfelde, sowie die Elbzentrale Pirna. Gegründet von dem AEG-Konzern, der 1909 bis 1911 auch das Kraftwerk Hirschfelde errichten ließ.

Diese Übernahme von Energieanlagen sollte die Grundlage der Elektrizitätsversorgung im Königreich Sachsen bilden.

Die wirtschaftliche Besonderheit Sachsens, ein hoher Anteil an verarbeitender Industrie in relativ abgelegenen Regionen, z.B. im Erzgebirge, und der Oberlausitz, machten  die Verfügbarkeit von Elektrizität, ohne weitere Nebenkosten absolut erforderlich. 

Zur Verdeutlichung, im Jahr 1911 waren 118 Kleinkraftwerke ohne eigene Stromnetze in Betrieb. D.h. elektrischer Strom war nur im kleinen Umkreis verfügbar.

Die „ Überlandzentrale “ Hirschfelde versorgte bereits 1911 60 Orte mit Strom, bei produzierten 110.000.00 kWH, die 12 weiteren Kraftwerke belieferten 234 Orte bei produzierten 10.401.417 kWH. In Hirschfelde erreichte man 1914 14,1 MW, 1916 bereits 25,5 MW und belieferte nicht nur die Oberlausitz, sondern lieferte auch nach Schlesien und Böhmen.

Um Dresden gelegene  Kraftwerke der Gemeinden Deuben, Coschütz und Cossebaude schlossen sich bereits um die Jahrhundertwende zu einem Verband zusammen.

1910 entstand der Elektrizitätsverband Gröba zur Versorgung der Amtshauptmannschaften Oschatz, Döbeln, Meissen und Großenhain. Vertreten wurde dieser Verband durch Großenhain, da ein Teil des bezogenen Stromes aus den Lauchhammerwerken kam. Hier wurde auch die erste 110 - KV- Leitung  Europas gebaut, von Lauchhammer nach Gröba.

Der EV  Gröba fand mit den Jahren im Braunkohlenwerk Plessa einen verlässlichen Stromlieferanten. Auch meine Heimatstadt Waldheim/Sa. profitierte von dieser Zusammenarbeit, denn am 1. Januar 1926 schloss Waldheim einen Stromliefervertrag mit dem EV Gröba.

Bei Leipzig entstand der Leitungsverband, der durch die eigenen Netze Fremdstrom verkaufte. Den Strom hierzu lieferte die Leipziger Außenbahn Aktiengesellschaft. Die Gründung dieser Verbände war in der Beschaffung von Kapital zu suchen und wurde von der sächsischen Regierung gefördert.

In den Amtshauptmannschaften Borna, Grimma, und Rochlitz entstand 1910 die Licht-und Kraftwerke GmbH mit Sitz in Borna. Hier beobachtete man die Besonderheit, dass  dieses      „ Kommunalunternehmen“ am freien Markt Kapital aufnahm. Immerhin 40 % des Gesamtkapitals, 1 Million Reichsmark.

Das war die Verschmelzung von kommunalem Kapital und privatem Kapital, dies war auch bei der bereits beschriebenen Elbzentrale Pirna zu beobachten. Die Gemeinden hatten das Recht, bis zu 49 % der Aktien zu erwerben. Die AEG, als Erbauer hatte das Recht, ein Mitglied mehr im Aufsichtsrat zu benennen.

Der sächsische Staat stand dieser Entwicklung, aus naheliegenden Gründen skeptisch gegenüber und warnte die Gemeinden vor Verbindungen mit Privatfirmen.

Am 20.März im Jahre 1913 gelang  die erstmalige Kopplung des in 100 km entfernten Großkraftwerks in Hirschfelde mit dem Wasserkraftwerk Copitz und der Elbtalzentrale Pirna. An dieser Stelle seien Bemerkungen zum Architekten der Elbtalzentrale erlaubt.

Werner Issel baute nicht nur die Elbtalzentrale in Pirna, er baute die Großkraftwerke in Hirschfelde und Zschornewitz. Dieses Großkraftwerk war bei seiner Inbetriebnahme 1915 und längere Zeit darüber hinaus das größte Braunkohlenkraftwerk der Welt, löste so das bis dahin führende Kraftwerk Hirschfelde ab.  1911 bis 1913 erbaut, löste es die Stromgewinnung in der Papierfabrik Hasseröde ab und ging am 1.7.1913 als  Braunkohlekraftwerk ans Netz.

Bis 1945 entstand ein 220-KV-Verbundnetz („Reichssammelschiene") zur Verbindung der wichtigsten Kraftwerke zwischen dem Ruhrgebiet, dem mitteldeutschen Revier und Süddeutschland. Der hier erzeugte Strom konnte nun auf die angeschlossenen Regionalnetze verteilt werden.

Zur Realisierung seiner Pläne begann Sachsen 1918 mit dem Kauf von Braunkohlefeldern um Böhlen. Bereits am 1. November baute man ein Anschlussgleis und begann am 1. April 1921 mit den Aufschlussarbeiten zum Tagebau Böhlen.

Zum damaligen Umgang mit der „Informationspolitik“ sei kurz folgendes angemerkt. Die Harth,  im Abbaugebiet des Tagebaues Böhlen gelegen, Wald, Staatsforst und Erholungsgebiet war 1925, ohne die Zustimmung des Landtages in Eigentum der ASW übergegangen. Obwohl seit geraumer Zeit dieses Thema immer wieder im Landtag behandelt wurde. 

Am 13. November 1923 kam es schließlich zur Gründung der Aktiengesellschaft Sächsische Werke durch den sächsischen Staat  in Dresden, mit einem Startkapital von 40 Millionen Goldmark. Der alleinige Aktionär, das Land Sachsen brachte hier seinen erheblichen Grundbesitz, Kohlefelder, seine Elektrizitätswerke und Kohleunternehmen ein.  Der Firmensitz befand sich am Bismarckplatz 2/6. Das Gebäude wurde vom Vorstand der Dresdner Lohndiener Schladitz übernommen, die im selben bis dato das 1873 erbaute Grand Union Hotel bewirtschafteten.  Der Gesellschaftervertrag macht den Zweck deutlich:

„Der Gesellschaftsvertrag sieht als Zweck und Ziel der Neugründung den Erwerb, die Errichtung und Betriebsführung sowie die Beteiligung an solchen Unternehmen, die der Gewinnung von Bodenschätzen, deren Ver- und Bearbeitung, der Erzeugung von Energie und Wärmemitteln und schließlich deren Fortleitung und Absatz – also der Energieversorgung im weiteren Sinne dienen.“

 

 Am 23.10.33 stellt das Bornaer Tageblatt  fest, dass von 1,36 Millionen Tonnen Treibstoff, die in Deutschland gebraucht werden,  830.000 Tonnen importiert werden müssen. Die Erdölförderung Deutschlands deckte nur etwa 30% des Bedarfs und war wegen des hohen Anteils an Schwer-u. Schmierölen zu der Zeit weniger zur Herstellung von Flugbenzinen geeignet. Die ASW entstand mit der Zielstellung, die auf große Anzahl von Gemeinden und private Elektrizitätswerken verteilte Versorgung in Sachsen mit Strom, auf Grundlage der Braunkohle zusammenzufassen, so entstand einer der ersten Energieholdinggesellschaften. Die ASW wird im Laufe ihres Bestehens viele Firmenbeteiligungen eingehen und auch auf dem Sektor der Wasserkraft aktiv werden. Zu ihrer Gründung brachte sie ja bereits das Großkraftwerk Hirschfelde, gekoppelt mit der Elbtalzentrale Pirna, die Grube Herkules, das Braunkohlenwerk Böhlen mit angeschlossenem Tagebau Böhlen, das Steinkohlenwerk Zauckerode, das BKW Leipnitz bei Grimma, die Grube Glück Auf Olbersdorf u.v.m. ein. Insgesamt betrug der eingebrachte Besitz 32.000 ha Grundbesitz, 3,5 Milliarden Tonnen gewinnbare Braunkohle. Verteilt auf etwa 1 Milliarde Tonnen im Hirschfelder Becken und mehr als 2 Milliarden Tonnen in Westsachsen, Raum Böhlen.

1925 nahm die ASW in New York bei der National City Bank 2 Anleihen zu 15 bzw. 18 Millionen RM auf, erhöhte so ihr Grundkapital auf 100 Millionen RM und sah sich so in der Lage, u.a. ihr Hauptziel, das Westkraftwerk in Böhlen zu errichten.

Bereits in den weiteren 20’er Jahren etablierte sich das Unternahmen auch bei der Stromgewinnung aus Wasserkraft. Hier wären zu nennen die Wasserkraftwerke:

Muldenberg  mit 400 KW, Himmelmühle mit 200 KW, Straußmühle mit 120 KW, Pirk mit 120 KW.  Ab 1923 wurden neu gebaut:  Muldenberg mit 400 KW, Wurzen mit 2.740 KW, Aue mit 675 KW, Klosterbuch mit 650 KW, Waldenburg mit 475 KW und Tharandt mit 1.600 KW. 1927 bis 1930 wurde das Pumpspeicherwerk Niederwartha mit einer Nennleistung von 120 MW erbaut. Bei der Fertigstellung kam es zu einem Wettlauf mit den Erbauern  des PSW Koepchenwerk/Ruhr, bei dem schließlich die ASW siegte. Das PSW Niederwartha ging 63 Tage eher als Koepchenwerk, am 27.11.1929 ans Netz.

Die ASW engagierte sich auch in Beteiligungen an der Gasversorgung in Sachsen.

Das Hauptanliegen  blieb aber die Förderung und Verarbeitung der heimischen Braunkohle, wobei den Werken Hirschfelde, mit Teergewinnung u. Teerverschwelung (ab 1938), Leicht-u. Heizölproduktion sowie Brikettfabrik und Kraftwerk und Böhlen mit fast gleichem Schema eine tragende Rolle zukam. Und mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und ihrer Pläne bekam die heimische Braunkohle zur Treibstoffgewinnung eine völlig neue Bedeutung.

1934 kam es auf Anordnung und Zwang der deutschen Wirtschaftsführung zur Bildung der BRABAG. Die Devisenlage Deutschlands drängte geradezu  zur Eigenversorgung mit Treibstoffen.

„Der zunehmende Mangel an Devisen zwingt die Reichsregierung, die Einfuhr

ausländischer Rohstoffe durch Beschaffung inländischer Ersatzstoffe zu

beschränken. In derselben Richtung liegen auch die erfolgreichen Bemühungen,

ausländische Treibstoffe durch Treibstoffe aus deutscher Braunkohle zu ersetzen.

Zu diesem Zwecke wurde die V e r o r d n u n g ü b e r die E r r i c h -

t u n g w i r t s c h a f t l i c h e r P f l i c h t g e m e i n s c h a f t e n in der

B r a u n k o h l e n w i r t s c h a f t vom 28. S e p t e m b e r 1934 (RGB1. I

S. 863) erlassen. Danach kann der Reichswirtschaftsminister zur neuen oder

vermehrten Verwertung von Braunkohle, sofern er diese Verwertung im Hinblick

auf das Wohl von Staat und Volk für dringend erforderlich hält, Unternehmen

oder Personen, die Braunkohle gewinnen oder über Braunkohlenvorkommen verfügen,

zu Vereinigungen zusammenschließen oder an bestehende Zusammenschlüsse

anschließen. Die Mitglieder dieser so gebildeten Pflichtgemeinschaften

sind an dem Vermögen der Pflichtgemeinschaft und den sich bei der Durchführung

des Vorhabens ergebenden Erträgen nach Maßgabe ihrer Leistungen

beteiligt.

und sind ebenso wie im Rahmen ihres Pflichtenkreises ihre Mitglieder

an seine Weisungen gebunden.

Das Reich gewährt wegen eines Schadens, der durch eine Maßnahme auf

Grund der Verordnung entsteht, keine Entschädigung.

Für Zuwiderhandlungen gegen die auf Grund der Verordnung erlassenen

Bestimmungen sind Strafen vorgesehen.“

 

 Die BRABAG, mit Sitz in Berlin, Schinkelplatz 1, hatte 10 Pflichtmitglieder, wurde im Oktober 1934 gebildet. Die Mitglieder mussten Kredite zur Finanzierung der Werke aufnehmen. Dies  waren die I.G. Farben, Werschen-Weißenfelser Braunkohlen AG, Braunkohlen- und Brikett-Industrie AG, Deutsche Erdöl AG, AG Sächsische Werke, Elektrowerke AG, Ilse Bergbau AG, Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrikation, Mitteldeutsche Stahlwerke und die Anhaltische Kohlenwerke.

Während viele der Pflichtmitglieder den Treibstoffplänen des Reichswirtschaftministeriums skeptisch gegenüberstanden, beteiligte sich die ASW, nicht ohne Eigennutz, engagiert an den Plänen. Denn Böhlen und in der Folge Espenhain profitierten hier in ihrer Entwicklung und im Ausbau ihrer Werke. In Espenhain war sogar ein drittes Schwelhaus geplant. Böhlen erhielt ein Teerhydrierungswerk, das bis zu 150.000 Tonnen Treibstoffe liefern sollte, die nach dem Bergius - Pier - Verfahren hergestellt werden sollten. Der Standort Böhlen wurde nicht zufällig gewählt, die Kohle des Tagebaues Böhlen war ideal schwelgeeignet. Dr. Ehlers, ASW,  hatte sich in Berlin nachdrücklich für den Standort Böhlen starkgemacht.  Die Lizenz erhielt das Werk Böhlen im Zuge der BRABAG -Verhandlungen vom I.G. Farben-Konzern. Das Werk Böhlen avancierte zum zweitgrößten Treibstoffproduzenten nach Leuna. Ab dem 23. Februar 1936 produzierte man hier erste Treibstoffe, nach dem Bergius-Pier-Verfahren,  dass bereits am 9.August 1913 unter der Nummer 301231 zum Patent angemeldet und am 26. November 1919 ausgegeben wurde. Das Jahr 1936 war maßgebend für die ASW, wurde doch Sachsen ab diesem Jahr von Göring voll in die Rüstungswirtschaft einbezogen.

Bereits 1938 schlossen ASW und BRABAG einen Vertrag über Stromlieferungen nach Zeitz-Tröglitz, dem 4. Werk der BRABAG. Errichtet zwischen 1937 und 1939. Die BRABAG hatte mit ihren vier Werken, Leuna, Böhlen, Espenhain und Zeitz-Tröglitz  eine Kapazität von 980.000 Tonnen Treibstoff pro Jahr. Im Lauf des Jahres 1939 stieg die Kapazität der nunmehr insgesamt 7 Hydrierwerke auf 1,2 Millionen Tonnen Benzin. Das Projekt  Hydrierwerk Espenhain wurde im März 1939 ad acta gelegt, da sich die ASW aus Kapazitätsgründen sich nicht in der erforderlichen Position sah. Auch ein Werk nach Fischer-Tropsch wurde nicht realisiert.

Bis 1945 wurden durch die deutsche Führung amerikanische Treibstoffpatente beobachtet.

Zur Finanzierung des gewaltigen Espenhainer Komplexes wurde am 25.10.1940 die AKA – Aktiengesellschaft für Kraftstoffanlagen gegründet. Die Aktionäre, das Deutsches Reich und die ASW hielten je 51% bzw. 49% der Aktien. Das Deutsche Reich brachte so 76,5 Millionen RM, Sachsen 73,5 Millionen RM ein. Die AKA als Eigentümerin des Werkes Espenhain verpachtete das Werk bis 31.12.1962 an die ASW.  In der Folge wurde der Komplex Espenhain ausgebaut, aber nie in der angestrebten Zeit fertiggestellt.

Der Krieg forderte hier seinen Tribut, wie auch im Tagebau. Die Abraumförderbrücke des Tagebaues Espenhain verzögerte sich in der Fertigstellung, Bagger 6 wurde nicht fertiggestellt usw.

Das Jahr 1941 gilt allgemein als der Start der Produktion im Werk, die  Umbenennung der BL Espenhain in BKW Espenhain machte dies deutlich. Brikettfabrik I, Schwelerei I und Kraftwerk I nahmen in diesem Jahr die volle Produktion auf.

Im gleichen Jahr  wird in Espenhain das Aluminiumwerk Walter Schmidt fertiggestellt. Die ASW fördert diese Ansiedlung nicht nur mit Strom- und Kokslieferungen, sie stellt auch das Areal zur Verfügung. Weiterhin unterstützt sie auch die Ansiedlung einer Aluminiumschrottwiederaufbereitungsanlage, denn hier bot sich ein Absatz der kurzen Wege für Koks und Elektrizität.

Auch fallen bis in dieses Jahr Strom- u. Teerlieferungen vom Werk Hirschfelde nach Zeitz-Tröglitz. Die Teerlieferungen betrugen 50.000 Tonnen/Jahr und gingen bis 1944.   

In den Jahren 1943 und 1944 folgen die Inbetriebnahmen der Brikettfabrik II, Schwelerei II und Kraftwerk II im Werk Espenhain. Ab dem 11.9.1944 wurde auch das Werk Espenhain Ziel von Luftangriffen. Der letzte erfolgte am 7.5.1945 mit 900 Treffern auf dem Gelände.

Zu Luftangriffen auf den Tagebau ist  eine mündliche Überlieferung bekannt. Nach Fertigstellung der AFB soll ein Brückenfahrer die AFB im Tagebau verfahren haben, die somit einem wahrscheinlichen Treffer entging.

Auf  Anordnung der Landesverwaltung Sachsen werden am  12.3.1946 alle Braunkohleabbauenden u. - verwertenden Unternehmen in Sachsen zur Arbeitsgemeinschaft  des sächsischen Bergbaues zusammengeschlossen. Am 1.August 1946 wurden die Werke  Espenhain und Böhlen Sowjetische Staatliche Aktiengesellschaft für Brennstoffindustrie.

Im Werk Hirschfelde erfolgen Demontagen zu Reparationszwecken, am 23.September 1946 wird der Tagebau Türchau an die polnische Regierung übergeben. Bei der Übergabe durch die polnische Regierung  an die polnische Verwaltung  am 16.8.1947 werden 300 deutsche Bergleute entlassen.

Die Aktiengesellschaft Sächsische Werke-ASW und die AKA werden ab dem 11.März 1947 liquidiert. Dazu wird bei der Landesregierung Sachsen, Ministerium Finanzen eine Verwaltung Sondervermögen gebildet. Im Jahre 1951 ist die Arbeit abgeschlossen, am 1.Oktober wird das Vermögen der Aktiengesellschaft für Kraftstoffe- AKA-  im Osten in Volksvermögen überführt. 1954 erfolgt im Westen die Auflösung der quotalen Schuldverschreibungen von 1938 und 1940. 1962 wurde ein Anschlusskonkursverfahren in Köln eröffnet und 1972 erfolgte die quotiale Bedienung der Schuldverschreibungen vor 1933.

 

 

Ein Resümee:

Auch wenn die gewaltigen  Braunkohlenförder-, Verarbeitungs-, und Veredlungsanlagen der ASW,  Böhlen, Hirschfelde und Espenhain, im Deutschen Reich der Kriegsvorbereitung und Kriegsführung dienten,

so bleiben doch erstklassige ingenieurtechnische Leistungen, die von engagierten Bergleuten ihrer Zeit, bis zum letzten Kubikmeter Abraum, bis zur letzten Tonne geförderter und verarbeiteter Kohle, erbracht und meisterhaft umgesetzt wurden.   

Wir werden das nicht vergessen und auch nicht die Opfer, die diese Zeit forderte.

                                              

Ein Ausblick:

Die Tagebaue und Veredlungsanlagen der ehemaligen ASW werden noch etwa 50 Jahre ihren Dienst verrichten, ehe ein erneuter Systemwechsel das endgültige Ende einläutet….

1990        20.7.90      Werk Espenhain – das Sterben beginnt, die Schwelerei I wird stillgelegt.

1990        23.8.90     Werk Espenhain Stilllegung Brikettfabrik II

1990       27.8.90     Werk Espenhain Stilllegung Schwelerei II

1991 werden die karbochemischen Anlagen am Standort Böhlen stillgelegt.

1993      23.12.93     Stilllegung des Vorschnittes mit Bagger 1498, SRs 1200+VR.

Das Kraftwerk Hirschfelde war fast 82 Jahre ununterbrochen am Netz, es wird am 23.11.1992 abgefahren und vom Netz genommen.

Am 30.04.1994 wird im TagebauEspenhain die einst, bis 1972, größte Förderbrücke der Welt, die AFB 17 im Tagebau Espenhain von Professor Bilkenroth mit dem Kommando „ Lass ab vom Berg“ nach 50 Jahren offiziell angehalten. In dieser Zeit förderte sie 1,2 Milliarden m³ Abraum, mit 80.000 in der Strosse gefahrenen Kilometern, was 2 Erdumrundungen entspricht!!

Wenig später, etwa ab 10.5.94, wurde die Abraumförderbrücke auf Spitze, östliche Markscheide gefahren. Der Direktor des Tagebaues, Herr Fuß, veranlasste dabei die weitere Schüttung einer Stützkippe etwa ab Profil 10 ostwärts. Er erreichte damit zum einen eine höhere Stabilität der Brückenkippe, die Bergleute waren etwas länger in Beschäftigung. Zum anderen wurde bei der Schaffung der neuen Generalneigung der Böschung enorm viel Planierarbeit eingespart. Es wurden ca. 300.000 m³ Abraum angeschüttet.

 Direktor Fuß unterstrich damit seinen Ruf, ein ausgezeichneter Fachmann mit vorausschauendem Blick zu sein!

Der letze Kohlezug aus dem UF des Großtagebaues Espenhain, gebaggert durch  Steiger Uwe Stengler, auf dem ERs 700, Bagg.250 ( 16 ) verlässt den Tagebau am 27.6.1996. Damit Stilllegung des Tagebaus nach 57 Jahren Kohleförderung, mit einer Gesamtleistung von 565 Millionen Tonnen Kohle. Der Tagebau verfügt über eine strategische Reserve von 0,5 Mrd. Tonnen Kohle, das möglich abbaufähige Feld geht darüber hinaus.

1996     30.06.96      Espenhain Kraftwerk II geht endgültig vom Netz, die Ära des Komplexes Espenhain ist zu Ende. Das Braunkohlenwerk Espenhain hat insgesamt 217,5 Millionen Tonnen Briketts, 96,7 Millionen Tonnen Koks, 16,8 Millionen Tonnen Teer, 3,8 Millionen Tonnen Leichtöl sowie 1,04  Millionen Tonnen Schwefel hergestellt.

1998     31.12.98     Tgb. Zwenkau   die AFB (Böhlen II)- 18 wird angehalten, außer Betrieb genommen. Sie förderte in den 59 Jahren ihres Bestehens 784.334.300 m³ Abraum.

Am 30.September wurde im Großtagebau Zwenkau (Böhlen) die letzte Kohle aus einem Tagebau der ehemaligen ASW gefahren.

Hier, wo die Hoch-Zeit der ASW begann, endet  die Geschichte der ASW.

Die Anlagen  und Geräte der ASW haben Jahrzehnte über ihre eigentlich geplante Laufzeit hinaus  ihren Dienst verrichtet, Wärme, Strom und karbochemische Produkte geliefert.

Als letzte, im Betrieb stehende, Einheit  der ASW  wird die Schaltwarte der Kraftwerke des Braunkohlenwerkes Espenhain am 1.November 2006 als Knotenpunkt im mitteldeutschen 110-KV-Netz abgeschaltet………

 

Im Jahr 1954 erfolgte im Westen Deutschlands die quotale Ablösung der Teilschuldverschreibungen von 1938 und 1940.

Seit 1962 erfolgte ein Anschlusskonkursverfahren in Köln über westliches Vermögen.

1972 erfolgte die quotale Bedienung der Schuldverschreibungen vor 1933.

 

                                                                                                         

            Halten wir die Verdienste und die Ehre der Bergleute hoch

 

                                               Glück Auf

                                          Thomas Schmidt

                                                 Waldheim/Sa.