Der Tagebau Breitenfeld   1981-1991 (1993)

 

 

 

          Siehe, wie geht es auf dem Bergwerk, da man ja fleißig gräbt und sucht; dennoch kommts oft also, daß, wo man am meisten Erz hofft und sich beweist, als wollt’s eitel Gold werden, da findet sich nichts oder schneidet sich bald ab und verschwindet unter den Händen. Wiederum an anderen Orten, das man für verloren hält und liegen läßt, gibt sich’s oft unversehen aufs reichlichste; und einer, der sein Gut hinein baut, kriegt nichts, ein anderer wird vom Bettler ein Herr; und danach, die es mit vielen tausend Gulden herausgehoben, werden ehe denn in zehn Jahren wieder zu Bettlern, und nicht oft geschieht, daß solch großes Gut auf den dritten Erben reichte.

                                                                                         Martin Luther  

 

Das Abbaufeld des Tagebaues Breitenfeld liegt im Norden Leipzigs. Die Feldgrenzen des Tagebaues wurden im Süden durch die Bebauung der Stadt Leipzig, im Osten durch die Eisenbahnlinie, im Westen und Norden durch Flözarmut bestimmt. Im Abbaufeld tritt das Bitterfelder Flöz auf(BIO I), im südlichen Teil finden wir die östlichen Ausläufer des Flöz Gröbers sowie das Bitterfelder Oberflöz II, (BIOII). Im Tagebau sollten auch die anstehenden Kiese wirtschaftlich genutzt werden. Die Förderung war geplant bis 3 Millionen t Kies/a. Teilflächen des Abbaufeldes gehörten in den 30’er Jahren des vorigen Jahrhunderts zur Aktiengesellschaft Sächsische Werke, die z.B. den Tagebau Espenhain betrieben.

 

                                                        

Der Tagebau Breitenfeld wurde als Nachfolger des Tagebau DSW und zweiter Tagebau des Kreises Delitzsch aufgeschlossen. Er sollte eine Tiefe von über 130 m erreichen, um das tief liegende Flöz Gröbers abbauen zu können.

Im Jahr 1981 begann man mit der Feldentwässerung.

Am 01.09.1982 erfolgte der Beginn der Aufschlussbaggerung mit dem E 1200, Bgg.549, Baujahr 1936,  im Zugbetrieb. Bagger 549 galt im Jahr seiner Inbetriebnahme, 1936, als größter Bagger.

Der Aufschluss erfolgte als Birnenaufschluss, um später Richtung der Ortslage Rackwitz auf zu schwenken. Der Aufschlussabraum wurde in den Tagebauen DSW, Goitsche und Köckern verkippt.

1984 erfolgte der Einsatz des 2. Gewinnungsgerätes, des SRs 315-142. Eingesetzt im 2.AS, wurde auch der anstehende Kies zur Vorfeldbekiesung der Strosse des Baggers 549 gewonnen.

Die Export-und allgemeine Lage der DDR verhinderten die rechtzeitige Fertigstellung der geplanten Neubaugeräte, so dass im September 1985  der ERs 560, Bagger 296  als kohlefreilegendes Gerät aus dem Tagebau DSW zum Einsatz kam. Zunächst wurden an der Westböschung korrigierende Baggerarbeiten durchgeführt. Um Rückprozesse zu vermeiden, wurden hier die gewonnene Massen umgesetzt, bis sie nah genug an den Gleisen lagen. Danach begann die Kohlefreilegung.  

Am 01.04.1986 begann der Transport des Neubaugerätes, ERs 1120, Bgg.1703 vom MP Tagebau  DSW in den Tagebau Breitenfeld. Die Aufnahme des Probebetriebes des ersten Neubaugerätes des Tagebaues erfolgte am 30.04.1986. Im gleichen Jahr wurde, im Zugbetrieb die 10.000 m³-Marke gebrochen.

Unterdessen erfolgte der Aufbau der Kohleverladung, die am 01.12.1986 14:30 mit dem Startkommando des damaligen Tagebauleiters Straube in Betrieb ging.

Am 5.1. 87 erfolgte der Montagebeginn des Baggers 1550, SRs 6300+VR. Dem, nach Greifenhain, heute Nochten, und Welzow-Süd, dritten Großgerätekomplexes in der ostdeutschen Braunkohle. Dem Ersten im Bereich des BKK Bitterfeld. Fast genau auf den Tag 2 Jahre später, am 13.1.1989, erfolgte die Erstinbetriebnahme des Gerätes auf dem MP.

Bereits 1985 begann man mit der Planung der Ausbildung des Personals für den Komplex SRs 6300+VR/A2Rs-B 15000.110 und Folgegeräte. Die Baggerfahrer und zukünftigen Steiger begannen 1985 mit der Meisterausbildung, die praktische Ausbildung erfolgte im Tagebau Greifenhain auf dem Bagger 1510, dem Absetzer und Leitstand.

Am 24.11.1988 erfolgte die Freigabe des A2Rs-B 15000.110, Absetzer 1116 durch den Hersteller und der Transport in den Tagebau begann. Der Probebetrieb für 28 Schichten an der  400m langen BA begann am 30.11.1988. Mit den Geräten 1703, 296-hier muss ich aber mutmaßen. Bis zur Inbetriebnahme des 1550 gab der SRs 1200, Bagger 1401 im Tagebau ein Gastspiel und sorgte für die nötige Profilfreiheit für den 1550 in dessen künftiger Strosse.

In der Zwischenzeit wurden dann die Grubengeräte 1546,1548,363 + 2 BW in Betrieb genommen.

Am 20.03.1989 erfolgte die Freigabe des SRs 6300 50/15,0 ( 3x630 KW ) +VR 157+12/-12 und der Transport in den Tagebau begann, der bis 30.03.1989 dauerte.

Am  01.04.1989 wurde der Bagger 1550  in der D-Schicht in Betrieb genommen.

Zum Leidwesen aller hatte dieser Großgerätekomplex aber ein Riesenmanko. Die Strossen-Bandanlage des Baggers 1550, die Bänder 132 und 133, hatten nur eine Breite von 2,25 m, die des 1550 dagegen 2,50m. Diese ABA gehörte nämlich zum geplanten SRs 4000+VR, Bagger 1549, der aufgrund der Wendefolgen ja nie kam, aber in Teilen bereits auf dem MP angeliefert und sich in Montage befand. Das Band 142 der  Kippenseite war auch ein 2,25’er. Auch die Abnahmekapazität des A2Rs-B1500.110, Absetzer 1116 war für den Bagger 1550 zu gering. Im Tagebau Greifenhain war für den Bagger 1510 ein A2Rs-B 15400.120 im Einsatz.

Bei der Inbetriebnahme des Baggers 1549 wäre dann die 2,50m-Strossenbandanlage sowie ein größerer Absetzer, Absetzer 1110, A2Rs-B18000.120, zum Einsatz gekommen. Bagger 1550 hätte dann mit Bagger 1549 die ABA’n und Absetzer getauscht. Ein ERs 710 war für die Restgewinnung Abraum und Putzen des Kohleflözes vorgesehen.

Aber in der, bei Inbetriebnahme, vorhandenen Konstellation konnte  Bagger 1550 nie auch nur annähernd die Leistungen seiner Brüder im Lausitzer Revier erreichen.

Im Frühjahr des Jahres 1991 kam der Stopp des Großgerätekomplexes.

Am 01.03.1991, nach einer Kiesfreilegeaktion von ca. 3 Mio. t Kies für ein direkt an der Tagebaukante errichtetes Kieswerk, begann der Rücktransport zum Montageplatz. Über eine vom Absetzerplanum durch die Grube bis zum Strossenplanum des Bgg.1550 geschüttete Rampe erfolgte der Transport aus dem Tagebau.

Im Juli gleichen Jahres erfolgte die Stillsetzung des Grubenbetriebes und damit die des Tagebaues. Alle Stillsetzungsszenarien erfolgten so, dass der Tagebau jederzeit wieder angefahren werden konnte. Die Stundung des Tagebaues Breitenfeld lief bis 1993.

Dann wurde der Tagebau in den strategischen Planungen endgültig aufgegeben.

In den folgenden Jahren wurden alle Geräte des Tagebaues  Breitenfeld , a l l e s Neubauten - gesprengt und - bzw. demontiert. Zwei SRs 320 hatten Glück, sie waren kurzzeitig im Nachbartagebau DSW,  sind heute in den Tagebauen Amsdorf und Vereinigtes Schleenhain ( Reserve ) eingesetzt.

Der Tagebau Breitenfeld war zu seiner Zeit technologisch und gerätetechnisch einer der interessantesten Tagebaue der beiden ostdeutschen Reviere. Durch den geplanten Abbau des tief liegenden Flöz  Gröbers  war eine Teufe des Tagebaues  von über 130 m geplant, bei Einsatz von drei Großgerätekomplexen. 1550-SRs 6300+VR im VS, zweiter Abraumschnitt der 1549-SRs 4000+VR, bei Auftreten, mit Gewinnung eines Flözbegleiters, beide in Kombination mit Strossenabsetzern. Der eigentliche Clou aber wäre der, das Flöz Gröbers freilegende SRs 4000 in Direktversturzkombination, SRs 4000 + VR  mit einem  A2 Rs – B 18000.225, gewesen. Bis dahin einmalig in den beiden ostdeutschen Revieren in dieser Größe. Zum Aufstellen dieser Gerätekombination war ein freies Liegendes von etwa 400 m vorgesehen. Die Aufschlussfigur war in einer Größe L= 2,8 km und B=350 m geplant, etwa 18,5 Millionen m³. Die geplante Direktversturzkombination hatte gegenüber anderen Aufschlussvarianten den Vorteil, sie war in der Lage den Aufschluss selbst durchführen zu können.

In der Phase der Stundung und wohl auch schon davor, gab es strategische Überlegungen, den Es 3150, Bagger 1297 im Aufschluss des Flöz Gröbers einzusetzen. Er sollte an der späteren Kohlebandanlage fördern. Zur weiteren Freilegung des Flöz Gröbers war in dieser Variante der Einsatz der AFB 23 aus dem Tagebau DSW geplant. Eine weitere Aufschlussvariante war der Einsatz des ERs 1120, Bagger 1703, die aber aus Rentabilitätsgründen von vornherein verworfen wurde. Hier hatten die Technologen eine Aufschlusszeit des Flözes Gröbers von mehr als 2 Jahren errechnet.

Es gab in dieser Übergangszeit auch Überlegungen, den Großgerätekomplex  SRs 6300 + VR – A2Rs - B 15000.110, in den Tagebau Vereinigtes Schleenhain umzusetzen. Die erforderliche Transporttrasse befand sich in der Projektierung.

 

Und alle im Regelbetrieb eingesetzten Tagebaugroßgeräte wären Neubauten gewesen. Einzige Ausnahme wäre der Einsatz der AFB 23 und Bagger 1297 gewesen.

 

 

Aber so endete im Juli 1991 (1993 Ende der Stundung) die Geschichte des Tagebaues Breitenfeld und ich bin stolz, dabei gewesen zu sein.                                                   

 

 

                   Im Tagebau bis 1991 eingesetzte Tagebaugroßgeräte

   

 

 

Altbaugeräte                                                              Neubaugeräte

E 1200     Bagger 549                                       SRs 6300 50/15,0 ( 3x630KW ) + VR +12/-12

SRs 315   Bagger 142                                      A2Rs – B 15000.110, Absetzer 1116

ERs 560   Bagger 296                                      ERs 1120, Bagger 1703

SRs 1200, Bagger 1401                                   SRs 320, Bagger1546

                                                                          SRs 320, Bagger 1548

                                                                          ERs 710, Bagger 363, so wie die

                                                                          BRs 1400, Bandwagen 823,824 und 830

Teile des geplanten SRs 4000 + VR, Bagger 1549 waren schon auf dem ZMP Breitenfeld gelagert, die Montage hatte 1991 begonnen.

 

                                                                 Zeichnung SRs 4000+VR

 

Nur zwei dieser Geräte sind noch vorhanden, Bagger 1546 und Bagger 1548. Sie sind in den Tagebauen Amsdorf und Vereinigtes Schleenhain eingesetzt bzw. stehen in Reserve. Der traditionsreichste Bagger, E 1200, Bagger 549 hat zwei Tagebauaufschlüsse gebaggert, die Tagebaue DSW und Breitenfeld. Im Jahr seiner Inbetriebnahme 1935 galt er als modernster und größter Eimerkettenbagger. Er war der erste Bagger der, noch in der aktiven Zeit des Tagebaues, verschrottet wurde.                                                            

                                                    

 

                         

                                                                                           Glück Auf